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Am 21. Januar 1986 explodiert im Beiruter Bezirk Furn Ech
Chuback eine Autobombe. Es ist eine von 245, die Beirut während
der Bürgerkriege in regelmäßigen Abständen
erschütterten. Walid Raad, Tony Chakar und Bilal Khbeiz
gehen dieser Erscheinungsform der Bürgerkriege nach und
konzentrieren sich in ihrer fiktiven Dokumentation auf die
Marken der Autos, die vorzugsweise als Bombe dienten. Da es
europäische, amerikanische und japanische Wagen waren,
beginnen sie das Projekt in den Produktionsländern der
Autos. In Deutschland ist es der Mercedes Benz der 70er-Jahre,
vor allem die luxuriöseren Modelle 200 und 220.
Die Artikel in libanesischen Zeitungen, die neben den Fotos der
zerfetzten Leichen auch die Krater zeigten, die die Autobomben hinterließen,
waren für Walid Raad Startpunkt der Recherche. Er beobachtet
einen fetisch-artigen Umgang mit den Modellen, der Farbe und dem
Typ der Wagen, die meist an den Motoren und Achsen identifiziert
wurden - jene Teile, die die Explosion am besten überstanden
und meist Hunderte von Metern vom Ort der Explosion entfernt aufgefunden
wurden, oft auf einem Balkon oder Hausdach.
Walid Raad erforscht die soziale, politische, wirtschaftliche,
militärische, technologische, psychologische und erkenntnistheoretische
Ebene der Kriege und untersucht die öffentlichen und
privaten Diskurse, die um diese Autobomben entstanden sind.
Die ersten Ergebnisse dieser detektivischen Spurensuche präsentiert
er in ganz eigener Form, die zwischen Lecture, Performance
und Video-Screening, zwischen detailgetreuer Dokumentation
und ironischer Distanz oszilliert. Sie ist Teil einer mehrjährigen
Recherche über und um die Ereignisse, Erfahrungen, Formen
und Objekte der Autobomben.
Eine Koproduktion von
The Atlas Group (Beirut / New York)
Ashkal Alwan (Beirut)
Kunsten Festival des Arts (Brüssel)
Haus der Kulturen der Welt (Berlin)
Spectacles Vivants, Centre Pompidou (Paris)
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My Neck is Thinner Than a Hair
Konzept und Performance: Walid Raad, Tony Chakar, Bilal Khbeiz
Sprache: Englisch
Walid Raad, Jahrgang 1967, ist einer der bekanntesten
Künstler der arabischen Welt und war 2002 Teilnehmer
bei der Dokumenta11 sowie 2003 bei IN TRANSIT und DisORIENTation
im HKW. Sein Werk umfasst Artefakte, Fotografien, Videoinstallationen
und Performances. Er lebt seit 1983 in den Vereinigten Staaten,
studierte ab 1984 zunächst in Boston, 1989-96 an der
Universität von Rochester "Cultural and Visual Studies".
Seit 1992 leitet er die Atlas Group, die 1976 gegründet
wurde und die sich der künstlerischen Dokumentation und
Aufarbeitung des libanesischen Bürgerkriegs verschrieben
hat. Raad lebt heute in New York, wo er an der Cooper Union
Universität unterrichtet. http://www.theatlasgroup.org
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