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Customs: Borders and Traditions
Ong Keng Sen über IN TRANSIT 2003

In welcher Weise setzt "In Transit 2003: Customs - Nothing to declare" die Arbeit des ersten Festivals im letzten Jahr, fort? Was ist anders, wo gibt es Übereinstimmungen?

Wir erweitern beständig die Grenzen der Performance. Deshalb werden auch diesmal "Doku-Performances" eine wichtige Rolle spielen, das heißt die Zusammenführung von Kunst und Leben, biografischen Daten, Sozialgeschichte und politischen Entwicklungen unter einem sehr persönlichen Gesichtspunkt. Ein Beispiel dafür ist Ralph Lemon aus New York City, der am Laboratorium teilnimmt und dort mit seinem Tanzprojekt "Searching for Home" die Wurzeln des afroamerikanischen Freiheitskampfes erkundet - vom Sklavenhandel zu den Lynchmorden, die bis in die 50er und 60er Jahre fortgesetzt wurden; von der Bürgerrechtsbewegung bis zur Blues Musik des amerikanischen Südens.

Im letzten Jahr haben wir mit diesen Doku-Performances begonnen, und zwar mit meiner kambodschanischen Produktion "Continuum: Beyond the Killing Fields", der Beiruter Produktion "Three Posters" und "He left quietly" aus Südafrika. Diese Auftragsproduktionen wurden alle von Schauspielern oder Tänzern gestaltet, die ihre Identität ergründeten und Abschnitte ihres eigenen Lebens auf die Bühne brachten. Auf dieselbe Weise erkundet diesmal Ralph Lemon die Ursprünge der Afroamerikaner in Amerika und New York City, betrachtet schwarze Kreativität und den Sklaventransfer über den Atlantik von Afrika in die Neue Welt, speziell nach New York.

"Undesirable Elements" heißt eine weitere "Doku-Performance" des asiatischen Amerikaners Ping Chong, die sich mit Ausländern in Berlin beschäftigten wird. Neben seiner Heimatstadt New York hat er bei diesem fortgesetzten Projekt mündlicher Überlieferung bereits mit Emigranten und Asylanten in 15 Städten an ihrer Herkunft und Biografie gearbeitet. In Berlin wird Ping Chong etwa zehn Ausländer, die weder Schauspieler noch Künstler sind, aus dem alltäglichen Leben auswählen, um mit ihnen eine Dokumentation über ihre Herkunftsländer und mitgebrachten Traditionen im Kontrast zu ihren Lebensbedingungen in Berlin zu erarbeiten.

Zum erstenmal richtet IN TRANSIT den Blick auf die Einwandererstadt New York. Das unterscheidet das diesjährige vom ersten Festival und ist etwas, das man vom Haus der Kulturen der Welt eigentlich nicht erwartet, weil es sich in der Projektarbeit traditionell auf Südafrika, Südamerika und Asien konzentriert. Jetzt arbeiten wir zum erstenmal mit Künstlern aus der globalen kosmopolitischen Einwanderer-Stadt New York. Gewöhnlich, wie zuletzt beim Mexiko-Projekt, fokussiert das Haus der Kulturen der Welt auf "die Anderen" oder "das Andere" eines ganzen Landes. Nun schauen wir uns New York City an und suchen in dieser Stadt nach "dem Anderen".

Sie arbeiten mit einigen Künstlern zusammen, die bereits beim ersten IN TRANSIT-Festival mitgemacht haben. Gibt es eine bestimmte Klientel, mit der Sie bevorzugt zusammenarbeiten, Künstler, die Ihre Idee und Philosophie von Kunst im Übergang repräsentieren?

Die Idee von IN TRANSIT war, ein Performance-Festival von Dauer zu schaffen. Es ist meines Erachtens sehr gefährlich, wenn ein solches Festival ständig nur das Neue vorzeigt oder versucht, mit der Mode zu gehen. Kunst-Festivals und Kunst-Zentren sollten Künstler unterstützen und fördern. In diesem Sinne gibt es durchaus eine Gruppe von Künstlern, die diese IN TRANSIT-Idee des Übergangs, der Qualität des Wandels, ideal verkörpern.

Der Titel des Festivals lautet "Customs - Nothing to declare". Entsprechend bezeichnen Sie die Hauptprogramme in "global customs" (globale Bräuche), "gender customs" (geschlechtliche Sitten), "secret customs" (Geheimkulte), "birth customs" (Geburtsregelungen) und "border customs" (Grenzverkehrs-Regelungen). Was heißt das?

Ich spiele mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs "customs". Natürlich meint "customs" in erster Linie den Vorgang beim Grenzübertritt in ein anderes Land. Aber es meint auch Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche von Menschen. Viele der Künstler, mit denen ich kooperiere, nutzen diesen sehr speziellen Kontext und haben ihre eigenen Gewohnheiten entwickelt. Es ist interessant, damit zu spielen, zumal diese Künstler mit ihrer Arbeit selbst einen spielerischen Umgang pflegen. Während Künstler älterer Generationen oft die Konfrontation mit der Politik suchten, gehen zeitgenössische Künstler spielerisch damit um. Zum Beispiel Walid Raad, dessen Arbeiten gerade auf der "Documenta" ausgestellt wurden. Er hat die "Atlas Group" kreiert, eine imaginäre Stiftung für die Geschichte des libanesischen Bürgerkrieges mit einem Archiv von Notizbüchern, Videos und anonymen Dokumenten.

Die meisten von uns gehören nicht zum Mainstream des vereinten Europa. Tanya Ostojic aus Belgrad, die mit einer Installation am Labor teilnimmt, hat zum Beispiel einer ihrer früheren Arbeiten den ironischen Titel "Looking for a husband with EU-passport" ("Auf der Suche nach einem Ehemann mit EU-Pass") gegeben.

Als jemand, der viel durch Flughäfen reist, versuche ich immer, das Zollerklärungszeichen zu vermeiden. Jedermann versucht das. Wir alle strömen schnell dem grünen Ausgang entgegen, wo wir uns nicht erklären müssen: "Customs - Nothing to declare". Eigentlich ist das paradox, denn wir hätten einander so viel zu erklären. Es gibt so viel Gesprächsstoff: Was ist die Peripherie der Gesellschaft im Gegensatz zum Mainstream? Welchen Stellenwert haben die gesellschaftlichen Ränder im Gegensatz zum Establishment?

Ich glaube, Künstler überall auf der Welt, auch in Berlin, setzen sich immer in eine gewisse Spannung zum Mainstream. Wenn man mit der doppelten Bedeutung des Begriffs "customs" spielt, ist das wie ein Rubic's Cube, ein Zauberwürfel. Er hat so viele verschiedene Farben. Aber wenn man ihn dreht und dreht und dreht, hat man schließlich eine Farbe. Genau das bedeutet "customs" für mich: Die Farben verschmelzen, sie verändern sich. Seien es die besonderen geschlechtlichen Rollen in Samoa. Seien es für IN TRANSIT maßgefertigte ("custom made") Produktionen wie die von Ralph Lemon. Oder sei es die Geburtenregelung in der zeitgenössischen chinesischen Gesellschaft und Druck, der auf Frauen ausgeübt wird, männliche Nachkommen zu produzieren.

Es gibt also jede Menge Wortspiele, die sich mit der Bedeutung von "customs" verbinden lassen und auch mit "Nothing to declare", dem Ausgang, den wir alle wählen, um Ärger zu vermeiden. Dabei haben wir über so vieles zu reden, soviel zu erklären - über unsere Unterschiede, unsere Individualität, über Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft.

Lassen Sie uns ein wenig über New York reden. Ihre Reise dorthin und an die New York University, wo Sie in den frühen 90er Jahren studiert und gelehrt haben, war so etwas wie der Auslöser für die zweite Ausgabe von IN TRANSIT. In New York City prallen Kulturen aus aller Welt aufeinander. Andererseits wohnen gerade dort Menschen in fast perfekter Harmonie zusammen und leben Straße an Straße die verschiedenen Gebräuche ihrer Herkunftsländer aus. Andernorts "unerwünschte Elemente" kommen in New York zusammen. Viele Anwohner, besonders Künstler, haben mehr als zwei Identitäten - bei IN TRANSIT werden sie von Walid Raads "Atlas Group", Ping Chongs Ausländerprojekt aus Chinatown, das nun Teil des "Remapping Berlin" werden wird und von Ralph Lemons Suche nach seinen afroamerikanischen Wurzeln repräsentiert. Waren Sie selbst auch Teil dieses Transformationsprozesses?

Als ich in den frühen 90er Jahren nach New York ging, war das sehr erregend für mich, obwohl sich die Stadt seit den 60er, 70er und 80er Jahren sehr verändert hatte. Auf einmal war es in Ordnung anders zu sein! Auf einmal bekamst du einen Pass, um du selbst zu sein. Du musstest deine Identität nicht mehr verstecken. Wenn Fremde erklären "Oh, ich bin nicht aus Amerika, ich komme aus Berlin! - oder aus Beirut, Bangkok, oder Singapur - werden sie zum Stadtgespräch, die Einwohner interessieren sich für sie. Diese Art der Neugier macht Mut. Fremdheit wird in New York City gefeiert! Es ist kosher, aus einem fremden Land zu kommen. An diesem Platz können wir alle neue Wurzeln schlagen: Wir müssen uns selbst finden, aber dabei sind wir alle gleich, es gibt keine dominierende Rasse, niemanden, der mehr Macht besitzt. Mischformen werden gefeiert. Du bringst deine Ursprungskultur mit und fusionierst sie, konterkarierst sie, setzt sie in Beziehung und Widerstreit zu den Kulturen New Yorks.

Städte können sehr hemmend wirken, dich daran hindern, du selbst zu sein und dir das Gefühl vermitteln, eine Rolle spielen zu müssen. Oder Städte können sehr offen sein - und New York City ist ein Beispiel für so eine sehr offene Stadt. Das ist einer der Gründe, warum ich New York für dieses zweite IN TRANSIT-Festival als Symbol für eine zeitgenössische offene urbane Stadt ausgewählt habe, in der man zur selben Zeit ganz bei sich sein, seinen Wurzeln nachspüren und gleichzeitig neuen Raum finden kann.

Andere Themenkomplexe bezeichnen Sie als "Tales of Travellers" und "Transit Spaces". Hier verbindet zum Beispiel Avantgarde-Tänzer Koffi Kôkô zeitgenössischen Tanz mit den uralten Ritualen seiner Heimat Benin, dem Voodoo-Kult etc. In Ihrer Performance "The Global Soul - The Buddha Project" folgen sie auf einer spirituellen Reise den Spuren Buddhas.

Als Kurator und Künstler, der in vielen verschiedenen Ländern und Kulturen arbeitet, bin ich fasziniert sowohl von den Gefahren wie den Erleuchtungen des Reisens. Reisen erlaubt dir den Kontakt mit Emotionen und intellektuellem Austausch, den du niemals gehabt hättest, wenn du in deiner Stadt, deinem Land, oder deiner Kultur, geblieben wärst. Ich liebe es zu reisen Reisen und bin mir gleichzeitig stets der Gefahren bewusst.

Wir alle befinden uns in einem permanenten Zustand des Reisens, in dem Sinne, dass wir uns von dort weg bewegen, woher wir kommen. Das heißt, wir können in unser Stadt bleiben, aber wir entfernen uns von der Welt unserer Eltern oder den Familientraditionen und versuchen, unseren eigenen Ort, die eigene Zeit, zu finden. Diese persönlichen Ortsveränderungen entsprechen dem Reisen. Koffi Kôkô reiste zum Beispiel aus Benin nach Paris, um seine eigene Position in der Tanzwelt zu finden. Gleichzeitig versucht er, an seinen Wurzeln festzuhalten. Die Spannung, die daraus für jeden Reisenden erwächst interessiert mich: Verliebst du dich in deinen Aufenthaltsort oder bleibst du in gewisser Weise loyal gegenüber deiner Vergangenheit?

Der Hintergrund meiner Buddha-Produktion ist der aktuelle Globalisierungsprozess mit seinen positiven und negativen Aspekten und die Modifizierungen, die damit einhergehen. Religion hat sich von der Spiritualität weg-modifiziert. Auch die Kunst unterliegt dieser Modifizierung: Wenn du dem internationalen Kunst-Zirkel angehörst, sei es in Form der "Biennale" oder anderer Festivals, bist du in ständigem Austausch, andauernd auf Reisen. Du musst also zugeben, diesem Konsumenten-Kreislauf anzugehören. Davor kannst du selbst dann nicht davon laufen, wenn du bestimmte Ausformungen ablehnst oder bestimmte Produkte boykottierst. Es ist ein großer Kreislauf außerhalb des physischen Reisens entstanden - über Telefon, Internet und e-Mail - um den sich wirklich die gesamte zeitgenössische Existenz dreht. Für mich ist er manchmal existenziell wichtig.

Und da beginnt die Geschichte von Buddha spannend zu werden. Als er unter dem Bodhi-Baum saß und als er nach Nirwana kam, war er nicht auf einer physischen Reise, sondern auf einer Reise seiner Gedanken, seiner Vorstellungskraft. Koffi Kôkôs "Les feuilles qui resistant au vent" und mein "The Global Soul" sind beides Produktionen über den Umgang von Künstlern mit der Spiritualität und wie sie ihr eine neue Bedeutung geben könnten. Koffis Herangehensweise ist metaphorisch und symbolisch. Er stellt auf der Bühne kein religiöses Ritual nach und in meinem Buddha-Projekt geht es ausschließlich darum, die Menschen im Zeitalter des Versagens der Spiritualität besser zu verstehen. Es geht also nicht darum, das Leben Buddhas in eine Performance oder etwas Spirituelles zu verwandeln, das wir nicht erreichen können, sondern den Reisenden von heute genauer zu betrachten. Warum reisen wir? Wonach suchen wir dabei?

Wie wichtig ist Spiritualität für "Customs - Nothing to declare"?

Wir suchen nach einer neuen Spiritualität, die nicht notwendig mit organisierter Religion in Verbindung steht. Leben in New York hat eine solche spirituelle Kraft. Es geht nicht um Synagogen- oder Kirchenbesuche, sondern um eine bestimmte Lebensenergie, eine Lebenskraft, die stärker ist als du und dir eine Art Erlösung bringt. Erlösung bedeutet für mich, das Leben zu feiern. Sie zelebriert das Dasein. Spiritualität bedeutet für mich nicht, ein Leben nach dem Tod zu finden. Es geht darum, die zeitgenössische Bedeutung von Spiritualität zu finden. Die organisierte Spiritualität und die organisierte Religion wirken sich auf mich nur negativ aus.

Den Fundamentalismus überall auf der Welt - und zwar nicht nur in der muslimischen Religion - gibt es doch nur, weil wir Angst vor einer neuen Spiritualität haben. Also verbeißen wir uns dogmatisch in der Vergangenheit.

Wie schon beim ersten "In Transit"-Festival nehmen Sie wieder das Transgender-Thema auf, diesmal in Form eines Projektes mit dem dritten Geschlecht von Samoa, den Fa'afafine, die eine Cabaret-Produktion namens "Diva Siva" zeigen. Warum ist der Transgender-Aspekt so wichtig für Ihre Philosophie und Ihre Kunst?

Die Auseinandersetzung mit Transgender-Anliegen stellt eine Grenze dar. Das ist so ähnlich wie beim blinden "Lear", der an den Rand einer Klippe geht und fast herunter fällt... All diese Grenzen sind wie Spiegel, in denen uns eine neue Gesellschaft begegnet, in der nichts mehr so ist wie es war, wo wir unseren alten Glauben zurücklassen und offen für neue Gedanken und Ideen sein müssen. An den Fa'afafine hat mich besonders interessiert, dass die traditionelle Kultur Samoas sehr aufgeklärt mit Sexualität umgeht und ein männliches, ein weibliches und ein drittes Geschlecht akzeptiert. Manchmal glaube ich, dass traditionelle Gesellschaften offenere, aufgeklärtere und sogar ziemlich anspruchsvolle Praktiken im Umgang mit sozialen Problemen haben. Mich interessiert die Grenzüberschreitung im Spiel mit der Macht, diese Dualität, wenn etwas politisch und zugleich spielerisch ist. Die Fa'afafine spielen mit der Wahrnehmung des Eingeborenen, des Polynesiers, dem Stereotyp des braunen Mädchens in der Manege. Gleichzeitig zwingen sie uns, unsere Politik und unsere Stereotypen zu überdenken. Das kann sehr viel einflussreicher sein, als die direkte offenkundige Herausforderung der Macht. Wir müssen die Macht auslachen, uns über sie lustig machen und sie ihrer Attribute entkleiden. Die Spielfreude der Fa'afafine und die Art und Weise, wie ihre Sexualität in der Gesellschaft von Samoa verstanden wird, ist mehr ein Rollen-Spiel als eine festgelegte Position. Wirklich aufschlussreich!

Wiederum wird es Labs für die zukünftige Zusammenarbeit der teilnehmenden Künstler und einen "Club" mit neuem Design. Worum geht es dabei?

Das ist ein Teil unseres Programms "Remapping Berlin". Oft haben wir eine feste Wahrnehmung unserer Städte und ihrer Einwohner, in diesem Fall von Berlin und den Deutschen. Wir betrachten unsere Städte als selbstverständlich. Wenn wir uns aber "Remapping Berlin" sozusagen mit den Augen des Projekts "Undesirable Elements" oder der orientalischen DJ's angucken, schält sich ein anderes Bild heraus. Dabei geht es darum, unsere Städte neu zu verstehen.

Was den Club anbelangt, so haben wir DJ Ipek vom Kreuzberger Club "SO 36" angesprochen. Die dortigen DJ's sind sowohl Transsexuelle wie auch nicht-weiße Berliner, die sich entschieden haben, in Berlin zu leben. Wir haben lange mit ihnen diskutiert und konzentrieren uns nun auf ihre Entscheidung, nach Berlin zu ziehen und dort zu leben als einen Akt der Autonomie. Sie haben sich entschieden, welches Leben sie führen wollen und welchen Ort sie als Zuhause betrachten. Die gesamte orientalische DJ-Szene reflektiert und generiert neue andere Bilder von Berlin.

IN TRANSIT findet in einer speziellen historischen Situation statt, wo die Weltkarte neu gemischt wird. Obwohl sich die Mehrheit der Weltbevölkerung dagegen ausgesprochen hat, gibt es Krieg im Irak. Was bedeutet dies für die zeitgenössische Kunst zwischen den Kulturen, eine Kunst die nichts zu erklären hat, außer sich selbst?

Genau darum geht es: Wir müssen auch im Angesicht jeglicher Tyrannei, der Tyrannei einer einzelnen Entscheidung, weiter das tun, woran wir glauben. Also unsere Individualität und die Kunst für das feiern, was sie sind. Es ist lebenswichtig für uns, dass wir uns trauen, das zu sagen, was wir sagen wollen, zu erklären, was wir erklären müssen. Und selbst wenn diese Individualität und wenn dieser Optimismus zerstört werden sollte, möchte ich weiterhin daran glauben, dass es in der Macht des Künstlers steht, den Kampf für diese Utopie aufrecht zu erhalten. Natürlich gibt es heute viele Künstler, die extrem kommerziell sind, die sich nicht mit Politik einlassen wollen, die kein Interesse an Botschaften haben und nur ihr eigenes Ding im Streben nach Ästhetik durchziehen. Aber es ist heute wirklich wichtig, dass wir den Mut haben, unsere Anliegen auszusprechen und uns nicht von der Tyrannei unter Druck setzen lassen.

Ist das die Haltung, die Sie während "Customs - Nothing to declare" einnehmen wollen?

Die Weiterführung von IN TRANSIT bedeutet doch, dass das, wofür wir im letzten Jahr gekämpft haben und für das wir uns weiterhin einsetzen, bleiben wird. Im ersten Jahr haben mich viele Leute gefragt: "Macht Ihr eigentlich Kunst oder Multi-Kulti?" Die Antwort ist: Ob in Asien oder Europa oder Amerika, Kunst wird nicht durch die Tyrannei eines Standards definiert. Kunst ist das persönliche Streben nach Ausdruck und wird damit in Zeiten wie diesen lebenswichtig. Mit IN TRANSIT und ähnlichen Projekten müssen wir eine starke Grundlage für die persönliche Wahlmöglichkeit setzen - die Wahlmöglichkeit im Leben wie in der Kunst.

Das Gespräch führte Ute Büsing.

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