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IN TRANSIT - Transforming the Arts

Mit IN TRANSIT entwickelt das Berliner Haus der Kulturen der Welt einen neuen Festival-Typus des Dialoges der Kulturen. Statt fertiger Produkte stehen Begegnungen zwischen Performance-, Musik-, Theater-, Tanz- und Videokünstlern aus Afrika, Asien, Europa und Amerika im Mittelpunkt der prozess-orientierten Veranstaltungsreihe, die sich als kontinuierliches Laboratorium begreift. Referenten und Dramaturgen begleiten die teilnehmenden Künstler auf ihrer Wanderschaft zwischen den Welten.

IN TRANSIT will die Perspektive kultureller Wahrnehmung in Europa neu verhandeln und alternative Modelle vorschlagen. Das alte eurozentristische Modell hat längst ausgedient. Heute gelten kulturelle Differenz und Vielfalt als entscheidendes Potenzial für die Zukunftsentwicklung von Kultur. Die Grenzen zwischen geografischen Ursprüngen, Geschlechtern und Biografien haben sich verschoben. Ein unaufhaltsamer Transformationsprozess bestimmt die globalisierten Gesellschaften weltweit. Der Singular einmal erworbener kultureller Zugehörigkeit ist dem Plural verschiedener kultureller Räume gewichen, in denen die Individuen sich flexibel bewegen.

IN TRANSIT präsentiert kein fertiges Produkt mit endgültigen Antworten, sondern stellt Fragen: Was kann Kunst im 21. Jahrhundert sein? Was trennt Kunst von Politik? Welche Formen müssen dafür entwickelt werden? Kann eine absolut zeitgenössische Kunstsprache nur dann entstehen, wenn konkrete Lebenserfahrungen, politische, soziale, spirituelle und rituelle Kontexte in Kulturkontexte einbezogen werden? Wo stößt dieses Konzept an seine Grenzen? Wie wollen wir mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenleben? Sehen wir unsere Zukunft in einer national geprägten Kultur oder in einer Begegnung zwischen den Kulturen, die die Herausforderung internationalen Wandels annimmt? Was bedeutet es in der Praxis, sich diesen Herausforderungen zu stellen?

IN TRANSIT will der Suche nach neuen Orientierungen in Kunst und Kultur des 21. Jahrhundert eine gemeinsame Plattform geben, ein Experimentierfeld, auf dem Künstler und Zuschauer jeweils Akteure und Beobachter zugleich sein können. Im Idealfall ist das Festival auch Forum für eine neue einfühlsame Globalisierung − ausgedrückt im konkreten künstlerischen und kulturellen Austausch vor Ort in Berlin.

Kuratoren, die selbst Künstler sind, bringen den interkulturellen Dialog im Rahmen von IN TRANSIT in Gang. Ihre spezifische Lebenssituation, ihre damit verbundene kulturelle Perspektive und mithin ihre kreative Methodologie ist mitbestimmend für die Auswahl der jeweils teilnehmenden Künstler.

IN TRANSIT ist kein rein deutsches Projekt mehr, sondern ein dialogisches Projekt zwischen zwei Kulturräumen. Zentraler Fokus ist das Aufeinandertreffen von Künstlern aus verschiedenen kulturellen Kontexten mit extrem unterschiedlichen Biografien, die aus urbanen oder rituellen, randständigen oder politisch zugespitzten Lebensverhältnissen heraus agieren. In Vorträgen, Gesprächen, Workshops und Performances loten sie gemeinsam eine neue zeitgenössische künstlerische Formensprache zwischen Tradition und zeitgenössischer Kunst aus.

IN TRANSIT will die Wahrnehmung kultureller Differenzen und möglicher Gemeinsamkeiten in der Auseinandersetzung mit Begriffen wie "Tradition", "Moderne", der oder das "Andere" schärfen. Im Idealfall entsteht ein "Laboratorium für Lebensentwürfe", dessen Spirit und Perspektive weit über die Performing Arts hinausgeht.

Das Publikum wird zum Augen- und Ohrenzeugen dieser kreativen Prozesse. Es nimmt teil an der Eroberung neuer Räume, an Laboratorien und Workshops, an Club-Events und Straßen-Performances. Gleichzeitig hat es die Möglichkeit, in eher "konventionellen" Abendveranstaltungen fertige Produktionen zu sehen.

Dennoch ist IN TRANSIT auch die Infragestellung der klassischen Form internationaler Festivals. Statt Produkt-Präsentation stehen das aus dem interkulturellen Dialog heraus entstandene "Work in Progress" und die langfristige kulturen-übergreifende Kommunikation und Zusammenarbeit im Vordergrund.

Kurator der Festivals 2003 ist − wie schon im Jahre 2002 − Ong Keng Sen, Direktor von TheatreWorks in Singapur. Er wurde in Deutschland vor allem durch seine Inszenierung von "King Lear" bekannt, die beim Berliner Festival Theater der Welt 1999 gezeigt wurde. Sein Partner im Berliner Haus der Kulturen der Welt ist der Künstlerische Leiter des Programmbereichs Musik, Tanz, Theater, Johannes Odenthal. [Seitenanfang]

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