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IN TRANSIT

IN TRANSIT will die Perspektive kultureller Wahrnehmung in Europa neu verhandeln und alternative Modelle vorschlagen. Das alte eurozentristische Modell hat längst ausgedient. Heute gelten kulturelle Differenz und Vielfalt als entscheidendes Potenzial für die Zukunftsentwicklung von Kultur. Die Grenzen zwischen geografischen Ursprüngen, Geschlechtern und Biografien haben sich verschoben. Ein unaufhaltsamer Transformationsprozess bestimmt die globalisierten Gesellschaften weltweit. Der Singular einmal erworbener kultureller Zugehörigkeit ist dem Plural verschiedener kultureller Räume gewichen, in denen die Individuen sich flexibel bewegen.

Wie wollen wir mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenleben? Sehen wir unsere Zukunft in einer national geprägten Kultur oder in einer Begegnung zwischen den Kulturen, die die Herausforderung internationalen Wandels annnimmt? Was bedeutet es in der Praxis, sich diesen Herausforderungen zu stellen?

IN TRANSIT will der Suche nach neuen Orientierungen in Kunst und Kultur des 21. Jahrhundert eine gemeinsame Plattform geben, ein Experimentierfeld, auf dem Künstler und Zuschauer jeweils Akteure und Beobachter zugleich sein können. Im Idealfall ist das Festival auch Forum für eine neue einfühlsame Globalisierung – ausgedrückt im konkreten künstlerischen und kulturellen Austausch vor Ort in Berlin.

Ausschliesslich Kuratoren, die selbst Künstler sind, aus Asien, Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten treiben den interkulturellen Dialog im Rahmen von IN TRANSIT voran. Ihre spezifische Lebenssituation, ihre damit verbundene kulturelle Perspektive und mithin ihre kreative Methodologie ist mitbestimmend für die Auswahl der jeweils teilnehmen den Künstler.

Erster Kurator des alljährlich in Berlin stattfindenden Festivals ist Ong Keng Sen, Direktor von 'TheatreWorks' in Singapur. Er wurde in Deutschland vor allem durch seine Inszenierung von 'King Lear' bekannt, die beim Berliner Festival 'Theater der Welt' 1999 gezeigt wurde. Um Kontinuität zu gewährleisten, kuratiert Ong Keng Sen IN TRANSIT auch im Jahr 2003. Sein Partner im Berliner Haus der Kulturen der Welt ist der Künstlerische Leiter des Programmbereichs Musik, Tanz, Theater, Johannes Odenthal.

IN TRANSIT ist kein rein deutsches Projekt mehr, sondern ein dialogisches Projekt zwischen zwei Kulturräumen. Damit geht das Haus der Kulturen der Welt den mit ko-kuratierten Projekten wie 'Translated Acts' und 'Short Century' im Jahr 2001 begonnenen Weg weiter, in dem es die kuratorische Federführung weitgehend aus der Hand gibt.

Zentraler Fokus ist das Aufeinandertreffen von Künstlern aus verschiedenen kulturellen Kontexten mit extrem unterschiedlichen Biografien, die aus urbanen oder rituellen, randständigen oder politisch zugespitzten Lebensverhältnissen heraus agieren. In Vorträgen, Gesprächen, Workshops und Performances loten sie gemeinsam eine neue zeitgenössische künstlerische Formensprache zwischen Tradition und zeitgenössischer Kunst aus.

Die Meister der holistischen indonesischen Kampfkunst 'Gumarang Sakti' begegnen der Tanz-Company Rary aus Madagaskar. 'The Biters', Sexworkers aus Kyoto, treffen einzelne Mitglieder und Stammesälteste des Karaja-Stammes aus Brasilien, die den Dialog über ihre spezielle Weltsicht mit städtischem Publikum suchen.

Die jüdische Südafrikanerin Yael Farber arbeitet mit dem für Jahrzehnte inhaftierten schwarzen Befreiungskämpfer Duma Khumalo zusammen. Die Berliner Tanzkompagnie Rubato begegnet dem transsexuellen chinesischen Tänzer Jin Xin.

Vor dem Hintergrund des Genozid-Prozesses gegen Milosovic vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag sprechen kambodschanische Künstler von ihrem Überleben während der Pol Pot-Jahre in Phnom Penh, als über eine Millionen Menschen dem 'Reinigungsversuch' der kambodschanischen Gesellschaft zum Opfer fielen.

IN TRANSIT will die Wahrnehmung kultureller Differenzen und möglicher Gemeinsamkeiten in der Auseinandersetzung mit Begriffen wie 'Tradition', 'Moderne', der oder das 'Andere' schärfen. Die in Berlin immer noch weitverbreitete Wahrnehmungsweise künstlerischer Hervorbringungen aus anderen Kulturen als 'exotisch' soll in den prozessorientierten interkulturellen Begegnungen aufgebrochen werden. Im Idealfall entsteht so ein 'Laboratorium für Lebensentwürfe', dessen Spirit und Perspektive weit über die Performing Arts hinausgeht.

IN TRANSIT präsentiert kein fertiges Produkt mit endgültigen Antworten, sondern stellt Fragen: Was kann Kunst im 21. Jahrhundert sein? Was trennt Kunst von Politik? Welche Formen müssen dafür entwickelt werden? Kann eine absolut zeitgenössische Kunstsprache nur dann entstehen, wenn konkrete Lebenserfahrungen, politische, soziale, spirituelle und rituelle Kontexte in Kulturkontexte einbezogen werde? Wo stößt dieses Konzept an seine Grenzen?

Das Publikum wird zum Augen- und Ohrenzeugen dieser kreativen Prozesse. Es nimmt teil an der Eroberung neuer Räume, an Laboratorien und Workshops, an Club-Events und StrassenPerformances. Gleichzeitig hat es die Möglichkeit, in eher 'konventionellen' Abendveranstaltungen fertige Produktionen zu sehen.

Dennoch ist IN TRANSIT auch die Infragestellung der klassischen Form internationaler Festivals. Statt Produkt-Präsentation stehen das aus dem interkulturellen Dialog heraus entstandene Work in Progress und die langfristige Kulturen-übergreifende Kommuniktion und Zusammenarbeit im Vordergrund.

IN TRANSIT seeks to negotiate the existing cultural perception in Europe, proposing alternative models. Today cultural divergence and diversity are considered the key potential for the future development of the arts. Clear-cut geographical, gender, and biographical boundaries have already shifted. An ineluctable process of transformation is shaping globalised societies worldwide. The singular once-and-for-all membership of a given culture has given way to a plurality of cultural spaces in which individuals can readily move.

How do we want to live together with people from other cultures? Do we see our future in a nationally determined culture or in the encounter with cultures that embrace the challenge of international change? What does accepting this challenge mean in practice?

In the search for new orientations in the arts and culture of the 21st century, IN TRANSIT wants to provide a common platform, an experimental arena where artists and spectators can be both actors and spectators.

Ideally, the festival will also be a forum for a new, sensitive globalisation-expressed in concrete artistic and cultural exchanges in Berlin.

Intercultural dialogue in the context of IN TRANSIT will be in the hands of curators-artists from Asia, Africa, Latin American and the Near East. Their specific situations in life, their concomitant cultural perspectives and hence their creative methodologies guide the choice of participating artists.

The first curator of the annual festival in Berlin is Ong Keng Sen, director of "TheatreWorks" in Singapore. He is known in Germany primarily from his production of "King Lear" performed at the Berlin "Theater der Welt" festival in 1999. To ensure continuity, Ong Keng Sen will also be in charge of IN TRANSIT in 2003. His partner at the Berlin House of World Cultures is the artistic director of the Programme Department Music, Dance, Theatre, Johannes Odenthal.

IN TRANSIT is no longer a purely German enterprise but a dialogistic project between two cultural spaces. After cooperative projects like "Translated Acts" and "Short Century" in 2001, the House of World Cultures is thus for the first time breaking completely new ground by largely relinquishing curatorial responsibility.

The chief focus is on the encounter of artists from different cultural contexts and with extremely divergent biographies, with backgrounds in urban or ritual, marginal or politically drastic conditions. In lectures, discussions, workshops, and performances they will be searching together for new forms of artistic expression between tradition and contemporary art.

The masters of holistic Indonesian martial art "Gumarang Sakti" will encounter the Rary dance company from Madagascar. "The Biters", sex workers from Kyoto will meet individuals and elders from the Karaja tribe in Brazil, who seek to dialogue with urban audiences about their specific world view.

The Jewish South African Yael Farber will be working with the black freedom fighter Duma Khumalo, who suffered decades of imprisonment. The Berlin dance company Rubato will be encountering the transsexual Chinese dancer Jin Xin.

With the backdrop of Milosevic genocide trials in Hague, Cambodian artists talk about their survival during the Pol Pot years in Phnom Penh where over one million people were killed in an attempt to purify Cambodian society. In the same way, "Three Posters" from Beirut about the destruction of the secular left in Lebanon is juxtaposed against the backdrop of suicide bombing in Palestine today.

IN TRANSIT seeks to sharpen the perception of cultural differences and possible commonalities in addressing concepts like "tradition", "modern age", the "other". The still widespread attitude towards works of art from other cultures as being "exotic" is to be exploded.

Ideally, a "laboratory for life" will come into being whose spirit and horizon transcend the performing arts.

IN TRANSIT does not present a finished product with final answers but asks questions: What can art be in the 21st century? What is the divide between art and politics.? What forms need to be developed? Can an absolutely contemporary artistic language emerge only if concrete experience of life, political, social, spiritual, and ritual contexts are included in cultural contexts? Where are the limits to this concept?

The public will be witness to this creative process. They can participate in the conquest of new spaces, in laboratories and workshops, in club events and street performances. At the same time, they will be able to attend conventional evening events, finished productions. Nevertheless, IN TRANSIT also calls in question the classical form of international festivals. Instead of product presentation, the focus is on work in progress generated by intercultural dialogue, and on long-term communication and cooperation between cultures.

Ahmed El-Attar, Elias Khoury, Rabih Mroué, Company Rary, Ariry Andriamoratsiresy, Duma Kumalo, Yael Farber, Vincent Mantsoe, Sangomas Tranceformation, Steven Cohen & Elu, Sophiatou , Rubato, Dieter Baumann, Jin Xing, Anuradha Kapur, Em Theay, Ong Keng , Theatreworks, Matthew Ngui, Aida Redza, Gumarang Shakti, Boi G. Sakti, Radhika Subramaniam, Marian Pastor Roces, Benny Sokkong, BuBu de la Madelein, Akira the Hustler, Toru Yamanaka, Karajá, Siridewe Xavante, Michel Groisman, Grupo de Teatro Malayerba, Aristídes Vargas, María del Rosario Francé, Lágb&aacite;já